Günstig, da gebraucht

Boule-Kugeln kann man auch gebraucht kaufen. Warum nicht?

Nagelneue Boule-Kugeln zu kaufen ist keine Kunst. Es gibt aber auch einen Markt für gebrauchte Modelle. Wir haben uns dort umgeschaut.

Meine Freundin M. war außer sich vor Freude: Im Internet hatte sie drei alte Boule-Kugeln ersteigert. Obut Match 120 TR, Vorläufer der heute so beliebten Obut Match, wenig gespielt und vollständige Papiere. Dafür ging der Preis von 40 Euro vollkommen in Ordnung.

Mit einer total abgerockten Boule-Kugel kann man auf dem Platz sogar mehr Eindruck schinden als mit nagelneuen Freizeitkugeln zum gleichen Preis. Gebrauchte Boule-Kugeln findest du im Bekanntenkreis, bei einem Petanque-Verein oder einer Internet-Auktion.

Das finanzielle Risiko bei diesen Kugeln ist nicht sehr hoch, denn du kaufst nur eine abgenutzte Stahlkugel, sonst nichts. Dass der Preis deutlich unter dem Neupreis liegen sollte, ist klar. Der Rest ist Verhandlungssache.

Bevor du dich entscheidest, musst du Hersteller, Umfang und Gewicht der Kugeln kennen. Ohne diese Angaben solltest du die Finger davon lassen. Aber oft scheint der Verkäufer gar nicht zu wissen, worauf es bei gebrauchten Boule-Kugeln ankommt. Das kann daran liegen, dass er als gewerblicher Händler tausende von Artikeln anbietet, die er nicht alle kennen kann.

Vielleicht ist sogar eine Rarität darunter, die sonst kaum zu kriegen ist. Dazu hören Kugeln von Herstellern, die heute nicht mehr im Geschäft sind. So haben mehrere hoch angesehene Hersteller aus Frankreich die Produktion eingestellt oder wurden vom Marktführer Obut übernommen. Wer gebrauchte Kugeln von Obut kauft, kann vielleicht noch eine mit dem alten Logo ohne die Ellipse erwischen.

Aber wie lange halten gebrauchte Boule-Kugeln noch? Einfache Antwort: Je mehr damit gespielt und je häufiger damit geschossen wurde oder je öfter sie einen Volltreffer abkriegten, desto kürzer die Lebenserwartung.

Auch die Härte des Stahls ist relevant. Weiche Kugeln, wie Schießer sie lieben, leben kürzer als die harten Kugeln der Leger. Die Härte wird kg/mm2 oder in Rockwell angegeben. Als sehr weich gelten Kugeln mit 110 oder 115 kg/mm2, 120 liegt in der Mitte und über 130 sind harte Kugeln. Es gibt auch eine Faustregel, wonach weiche Schießerkugeln nach nur einer Saison heftigen Spielens unbrauchbar geworden sind.

Doch so weit kommt es eher selten. Wenn eine Boule-Kugel nur ramponiert aussieht, ist das nicht weiter tragisch. Aber: In Artikel 2 der offiziellen Petanque-Regeln heißt es: „Logo (Marke des Herstellers) und Gewichtsangabe müssen auf den Kugeln eingraviert und immer lesbar sein.“ Und: „Wenn eine Kugel durch Abnutzung einer Kontrolle nicht standhält, muss der Spieler sie austauschen.“

Kurz: Mit uralten, verrosteten und unleserlichen Kugeln darfst du überall spielen, nur nicht in einem Turnier.