Zwischen königlicher Residenz und bayerischer Staatskanzlei liegt der Ort für ein einmaliges Petanque-Erlebnis: Der Hofgarten am Odeonsplatz in München. Hier, rund um den Nymphenbrunnen, klacken fast täglich die Kugeln.
Der zentrale Dianatempel ist das Herzstück des Hofgartens. Dort tanzen abends oft Paare, es gibt spontane Musik und Konzerte. Das macht den Ort noch lebendiger. Der Nymphenbrunnen (westliche Seite, mit der Schwanthaler-Nymphe) ist der Treffpunkt der Kugeln.
Man sieht die nagelneuen Chrome-Kugeln der Einsteiger neben den verschrammten Turnier-Kugeln der Lizenzspieler aller Petanque-Ligen. Hier ist jeder willkommen. Die einen trainieren ernsthaft, andere wollen nur Spaß. Dieser Mix ist das Schöne.
Wer im Hofgarten Boule spielen möchte, sollte aber eigene Kugeln mitbringen, denn Leihkugeln stehen nicht zur Verfügung.
Wer zum Boule-Spielen in den Hofgarten möchte, kommt leicht hin: Vier U-Bahn-Linien (U3/U4/U5/U6) und zwei Bus-Linien (100/153) halten direkt am Odeonsplatz. Zentraler geht’s kaum. Mit etwas Glück findet man auch einen gebührenpflichtigen Parkplatz in der Galeriestraße. Nur bei Münchner Veranstaltungen wie CSD, Marathon oder Wiesn-Umzug wird das Parken dort unmöglich.
Im Hofgarten ist Boule von der bayerischen Schlösser- und Seen-Verwaltung geduldet, aber nicht uneingeschränkt erlaubt.
- In der Galeriestraße darf nur an Gebäuden mit nur einer Fensterreihe im Obergeschoss gespielt werden
- An der Südseite in der Hofgartenstraße und
- An der Westseite zwischen den Freischankflächen.
Der Leibregimentsweg an der Ostseite gehört zur Sicherheitszone der Staatskanzlei, Boule ist deshalb dort verboten.
Rund um den Nymphenbrunnen ist der Boden steinhart, er wird auch „Autobahn“ genannt, ideal für das Rollen auf kurze Distanz, aber gnadenlos für schlechte Würfe. Weiter nördlich, an der Galeriestraße, wechseln sich weiche („Katzenklo“) und harte Stellen ab. Wer hier bestehen will, muss den Boden genau lesen.
Dank einer guten Drainage ist der Platz nach Regen oft schnell wieder bespielbar, außer bei Frost und extremem Wetter.
Die Petanque-Szene
Rund um den Brunnen und in der Galeriestraße trainieren die Münchner Petanque-Vereine. Der größte davon ist die 1. Münchner Kugelwurf-Union (1. MKWU) mit gut 150 Mitgliedern. Fast jeden Tag, auch bei Kälte und schlechtem Wetter, sieht man deren Spieler im Hofgarten. Der Verein hat Mannschaften in den höchsten bayerischen Spielklassen und schon mehrmals den Pokal des Bayerischen Petanque-Verbandes gewonnen.
Eine Besonderheit ist die Lichterkette der 1. MKWU. Sie wird zwischen vier Bäumen nahe des Nymphenbrunnens ausgespannt und lässt das Boule-Spiel auch bei Nacht zu.
Um den 14. Juli
Höhepunkt des Boule-Jahres ist das Hofgarten-Turnier, ausgerichtet von der 1. MKWU. Es findet am Wochenende um den 14. Juli statt, den französischen National-Feiertag. Jedes Jahr gehen fast 200 Triplette-Teams an den Start – eines der größten und renommiertesten Petanque-Events in Deutschland.
Das Hofgarten-Turnier findet seit 1983 statt, entstanden aus einer Geburtstagsfeier, und ist lizenzfrei und offen für alle. Zur internationalen Beteiligung zählen Spielende aus London, den USA, Frankreich, Österreich und der Schweiz. Sogar eine Equipe aus Madagaskar hat das Turnier schon gewonnen.
Das Turnier dauert zwei Tage: Von den Teams scheiden am ersten Tag so viele aus, dass am Sonntag nur noch 32 Teams in den Finales stehen. Der Andrang auf das Haupt-Turnier war schon so groß, dass die Online-Anmeldung nach 1,5 Stunden schließen musste. Wer es nicht ins „Principale“ schafft, kann an den Mini-Turnieren teilnehmen, die an allen Tagen stattfinden.
Untermalt wird das Hofgarten-Turnier oft von dem Konzert „Klassik am Odeonsplatz“, die beiden Veranstaltungen sind nur durch eine Mauer getrennt.
Promi-Treff
Fast untrennbar mit dem Münchner Hofgarten verbunden ist Charles Schumann, der legendäre Betreiber der gleichnamigen Bar am Odeonsplatz. Schumann wird von den meisten respektvoll gesiezt. Und er legt Wert darauf, dass sein Vorname französisch ausgesprochen wird. Nicht englisch wie der britische König, sondern „Charles – wie de Gaulle“.
Als Gastronom ist Schumann Gastgeber für VIPs, Künstler und andere Prominente – und dabei selbst eine Erscheinung. Seine Bar verfügt über zwei Außenbereiche, einer davon liegt direkt an einer Ecke des Hofgartens. Während auf den Bahnen die Boule-Kugeln rollen, können bei Schumanns auch wirkliche A-Promis auftauchen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt.
Denn Schumanns Bar ist seit Jahrzehnten ein Treffpunkt der Münchner Gesellschaft. Charles Schumann ist dabei der perfekte Gastgeber: Präsent, aufmerksam und mit jener Mischung aus Distanz und Zugewandtheit, die man in einem Lokal dieser Art selten findet.
Italienisches Flair
Ein weiteres Lokal mit Außenbereich direkt am und im Hofgarten: das traditionsreiche Café Tambosi. Es gilt als das älteste Kaffeehaus Münchens – die Wurzeln reichen bis 1775 zurück, als hier erstmals Kaffee, Schokolade und Limonade ausgeschenkt wurden. Heute ist es ein Café, Restaurant und Bar mit italienischem Flair und bayerischem Ambiente.
Seine Lage und Außenbereiche machen das Tambosi ideal für Boule-Spieler. Die sonnige Terrasse vorne am Odeonsplatz mit Blick auf Feldherrnhalle und Theatinerkirche – perfekt zum People-Watching. Dazu bietet die große Freifläche mit Biergarten-ähnlicher Terrasse im Hofgarten mehrere hundert Plätze, ist schattig und ruhiger gelegen.
Es gibt eine italienisch-mediterrane Küche, Kuchen und eine ordentliche Getränkekarte. Das Innere ist nach einer großen Sanierung modern-elegant und gemütlich.
Nach dem Training oder einem Turnier im Hofgarten ist das Tambosi der klassische Treffpunkt, um die Partie bei einem kühlen Getränk ausklingen zu lassen – besonders auf der Hofgarten-Seite, wo man noch den Klang der Kugeln im Ohr hat.
Kaffeepause
Ein perfekter Spot, um beim Boule im Hofgarten einen Kaffee oder Snack zu holen, ist der Starbucks am Odeonsplatz mit einem Eingang vom Hofgarten.
Hier gibt’s das typische Angebot der US-Kette mit allen möglichen Kaffees, Backwaren und Snacks. Da zentral gelegen, ist der Laden touristisch frequentiert – besonders an schönen Tagen und oft mit Warteschlangen. Aber auch der Hofgarten selbst bietet Bänke und Plätze, an denen man den Kaffee draußen genießen kann.