Die Regeln

Boule kann man ohne Regelheft spielen – solange es um den Spaß mit Freunden geht. Wer jedoch an einem Turnier teilnimmt, muss die offiziellen Regeln kennen. Denn beim französischen Kugelsport gibt es genaue Vorschriften für Mannschaften, Wurfkreis, Zielkugel, Spielablauf und Wertung.

Zwei Mannschaften, eine Zielkugel und sechs oder 12 Stahlkugeln: Das ist Pétanque. Die Grundidee: Die eigenen Kugeln sollen möglichst nahe an der Zielkugel liegen. Doch dann gibt es strittige Punkte, ungültige Kugeln oder eine bewegte Zielkugel.

Das internationale Regelwerk der FIPJP (Fédération Internationale de Pétanque et Jeu Provençal) umfasst 41 Artikel. Es regelt weit mehr als nur das Werfen und Messen. Auch das Verhalten der Spieler, die zulässige Ausrüstung und die Folgen von Regelverstößen sind festgelegt.

Die Mannschaft

Pétanque wird in drei Formationen gespielt:

  • Triplette: Drei gegen drei Spieler. Jeder Spieler hat zwei Kugeln, insgesamt also sechs pro Mannschaft.
  • Doublette: Zwei gegen zwei Spieler. Jeder Spieler hat drei Kugeln, insgesamt sechs pro Mannschaft.
  • Tête-à-tête: Einer gegen einen. Beide Spieler haben jeweils drei Kugeln.

Andere Mannschaften sieht das Reglement nicht vor. Die Zahl der Kugeln pro Mannschaft bleibt bei diesen drei Spielformen gleich: Jede Mannschaft verfügt über sechs oder drei Kugeln.

Die Kugeln

Bei offiziellen Wettbewerben dürfen nur zugelassene Wettkampfkugeln verwendet werden. Sie müssen aus Metall bestehen, hohl sein und bestimmte Maße einhalten.

Der Durchmesser muss zwischen 7,05 und 8 Zentimetern liegen, das Gewicht zwischen 650 und 800 Gramm. Hersteller und Gewicht müssen dauerhaft lesbar auf der Kugel eingraviert sein.

Die Zielkugel, auch Schweinchen oder Sau genannt, besteht aus Holz oder einem synthetischen Material. Ihr Durchmesser beträgt 30 Millimeter, mit einer Toleranz von einem Millimeter. Sie wiegt zwischen 10 und 18 Gramm.

Für den Freizeitspieler ist das kein großes Thema. Bei einem offiziellen Turnier können nicht regelkonforme Kugeln dagegen zum Problem werden.

Der Wurfkreis

Jede Aufnahme, also der Spielabschnitt vom Auswurf der Zielkugel bis zur Auswertung der Punkte, beginnt im Wurfkreis. Dieser kann auf den Boden gezeichnet oder als vorgefertigter Kreis verwendet werden.

Ein eingezeichneter Kreis muss einen Durchmesser zwischen 35 und 50 Zentimetern haben. Ein genormter, vorgefertigter Kreis hat einen Innendurchmesser von 50 Zentimetern, mit einer Toleranz von zwei Millimetern.

Vor dem Auswerfen der Zielkugel muss die Position des Kreises markiert werden.

Beide Füße müssen vollständig innerhalb des Kreises stehen. Sie dürfen weder den Kreisrand berühren noch über ihn hinausragen. Auch der übrige Körper darf den Boden außerhalb des Kreises nicht berühren.

Wichtig ist der richtige Zeitpunkt für das Verlassen des Kreises: Der Spieler darf den Kreis nicht verlassen und keinen Fuß vollständig vom Boden abheben, bevor die geworfene Kugel zum Stillstand kommt.

Wird der Kreis entfernt, obwohl noch Kugeln zu spielen sind, darf er wieder eingesetzt werden. Allerdings darf dann nur noch die gegnerische Mannschaft ihre ausstehenden Kugeln spielen.

Wer wirft?

Zu Beginn eines Spiels wird ausgelost, welche Mannschaft das Gelände auswählen darf und die erste Zielkugel wirft. Die Mannschaft, die das Los gewinnt oder in der vorherigen Aufnahme Punkte erzielt hat, wirft die Zielkugel.

Dabei gelten folgende Entfernungen:

  • Mindestens 6 Meter vom inneren Rand des Wurfkreises bis zur Zielkugel
  • Höchstens 10 Meter
  • Mindestens 50 Zentimeter Abstand zu Hindernissen und zur hinteren Spielfeldbegrenzung.

Es gibt nur einen Versuch, die Zielkugel regelgerecht auszuwerfen.

Zielkugel zu kurz oder zu lang? So korrigiert ihr richtig: Die Mannschaft, die falsch ausgeworfen hat, übergibt die Zielkugel an die andere Mannschaft. Die wirft neu aus, die Mannschaft mit dem ungültigen Auswurf behält aber das Recht, die erste Kugel zu spielen.

So will es das offizielle Reglement. Auf unseren Boule-Plätzen sieht man aber oft, das irgendein Spieler die Zielkugel in eine gültige Position kickt. Spielkultur geht anders.

Im Turnier sind der Wurfkreis und die Position der Zielkugel zu Beginn und nach jeder Bewegung zu markieren. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um spätere Streitigkeiten zu klären.

Die nächste Kugel?

Das entscheidende Prinzip des Pétanque: Die Mannschaft, die nicht den Punkt hält, muss spielen.

Das bedeutet: Liegt die Kugel der Mannschaft A näher an der Zielkugel als jede Kugel von Mannschaft B, hat Mannschaft A den Punkt. Mannschaft B muss nun versuchen, mit einer eigenen Kugel näher an die Zielkugel zu spielen.

Gelingt das, wechselt das Spielrecht. Mannschaft A muss wieder antworten. Gelingt es nicht, spielt Mannschaft B weiter, solange sie noch Kugeln besitzt.

Eine Mannschaft kann also mehrere Kugeln hintereinander werfen. Sie muss nicht nach jedem Wurf zwischen den Mannschaften wechseln.

Die Spieler entscheiden selbst, ob sie eine Kugel möglichst nahe an die Zielkugel legen oder eine gegnerische Kugel wegschießen wollen. Beides gehört zur Taktik des Spiels.

Sind zwei Kugeln der Mannschaften exakt gleich weit von der Zielkugel entfernt, gelten besondere Regeln. Haben beide Mannschaften noch Kugeln, wird abwechselnd weitergespielt, bis der Punkt entschieden ist. Sind keine Kugeln mehr vorhanden, kann die Aufnahme unentschieden enden und wird annulliert.

Eine einmal geworfene Kugel darf grundsätzlich nicht aufgenommen und erneut gespielt werden. Ausnahmen gelten unter anderem, wenn sie durch äußere Einwirkung auf ihrem Weg aufgehalten oder abgelenkt wurde.

Bewegte Zielkugel

Die Zielkugel darf durch eine gespielte Kugel bewegt werden. Das ist ein normaler Bestandteil des Spiels. Sie muss nicht an ihrer ursprünglichen Position bleiben.

Entscheidend ist, ob sie nach der Bewegung noch gültig ist. Sie wird unter anderem ungültig, wenn sie weniger als 3 Meter oder mehr als 20 Meter vom Wurfkreis entfernt liegt.

Auch eine Zielkugel, die das Spielfeld vollständig verlässt, nicht mehr sichtbar ist oder nicht innerhalb von fünf Minuten gefunden werden kann, gilt als ungültig.

Was dann geschieht, hängt davon ab, wie viele Kugeln die Mannschaften noch zur Verfügung haben:

  • Haben beide Mannschaften noch Kugeln, wird die Aufnahme annulliert und neu begonnen.
  • Hat nur eine Mannschaft noch Kugeln, erhält sie so viele Punkte, wie sie noch Kugeln zu spielen hat.
  • Haben beide Mannschaften keine Kugeln mehr, wird die Aufnahme annulliert.

Die Mannschaft, die die nächste Zielkugel werfen darf, richtet sich grundsätzlich nach dem Ergebnis der vorherigen Aufnahme oder nach dem Los zu Spielbeginn.

Respekt vor dem Gegner

Pétanque ist ein Präzisionssport. Deshalb gehören Ruhe und Rücksichtnahme zum Reglement.

Während ein Spieler seine Kugel wirft, müssen Spieler und Zuschauer absolut still sein. Du darfst den Gegner nicht durch Gesten, Herumlaufen oder andere Handlungen stören.

Die gegnerischen Spieler dürfen sich nicht beliebig neben oder hinter dem Spieler im Wurfkreis aufstellen. Sie müssen sich seitlich zur Spielrichtung aufhalten und zum Gegner mindestens zwei Meter Abstand halten. Sie dürfen andere Spieler auf keinen Fall ablenken.

Die eigenen Spieler dürfen sich dagegen zwischen Wurfkreis und Zielkugel aufhalten.

Kugel ungültig

Wird eine Kugel durch einen Mitspieler aufgehalten oder abgelenkt, ist sie ungültig. Wird sie dagegen von einem Gegner versehentlich aufgehalten, kann der betroffene Spieler je nach Situation entscheiden, ob die Kugel erneut gespielt oder an ihrer Position belassen wird.

Wer eine rollende Kugel absichtlich aufhält, riskiert den sofortigen Ausschluss seiner Mannschaft aus der laufenden Partie.

Wer hat den Punkt?

Wenn nicht eindeutig erkennbar ist, welche Kugel näher an der Zielkugel liegt, muss gemessen werden.

Die Mannschaft, die zuletzt gespielt hat, ist zunächst für die Messung verantwortlich. Die gegnerische Mannschaft darf anschließend ebenfalls messen. Jede Mannschaft muss ein geeignetes Messgerät besitzen.

Mit den Füßen zu messen ist verboten. Ebenso wenig darf eine Kugel einfach verschoben werden, um die Entfernung besser beurteilen zu können.

Bei einer Messung dürfen Kugeln oder Hindernisse vorübergehend entfernt werden, sofern ihre Position vorher markiert wurde. Nach der Messung müssen sie an ihre ursprüngliche Stelle zurückgelegt werden.

Besonders wichtig: Wird eine strittige Kugel oder die Zielkugel durch einen Spieler während der Messung verschoben, verliert dessen Mannschaft den Punkt.

Kugeln aufheben

Erst wenn die Aufnahme beendet ist und beide Mannschaften das Ergebnis geklärt haben, dürfen die Kugeln aufgenommen werden.

Vorher darf keine gespielte Kugel aufgehoben werden. Werden Kugeln bereits vor der Einigung über die Punkte aufgenommen, gelten die betreffenden Kugeln als ungültig.

Besonders folgenreich ist es, wenn ein Spieler seine eigene Kugel aufhebt, obwohl seine Mannschaft noch Kugeln zu spielen hat: Die Mannschaft darf diese restlichen Kugeln nicht mehr spielen.

Das Gleiche gilt, wenn ein Spieler den Wurfkreis anhebt, obwohl die Aufnahme noch nicht beendet ist. Der Kreis wird zwar wieder eingesetzt, doch nur die gegnerische Mannschaft darf ihre verbleibenden Kugeln spielen.

Diese Regeln verhindern, dass eine Mannschaft durch voreiliges Aufräumen den Spielverlauf beeinflusst.

Punkte zählen

Sind alle Kugeln gespielt, wird das Ergebnis der Aufnahme festgestellt.

Eine Mannschaft erhält einen Punkt für jede eigene Kugel, die näher an der Zielkugel liegt als die beste Kugel der gegnerischen Mannschaft.

Es können somit höchstens sechs Punkte in einer Aufnahme erzielt werden, wenn alle sechs Kugeln einer Mannschaft näher liegen als die beste gegnerische Kugel.

Eine Partie wird im Regelfall bis 13 Punkte gespielt.

Bei Streitigkeiten

Wer bei einem Turnier glaubt, dass eine Regel verletzt wurde, muss sich an den Schiedsrichter wenden. Ist die Partie beendet, werden Beschwerden grundsätzlich nicht mehr angenommen.

Das betrifft beispielsweise Zweifel an der Gültigkeit einer Kugel, an der Position der Zielkugel oder am Verhalten eines Gegners.

Die FIPJP sieht abgestufte Sanktionen vor: Verwarnung, Ungültigkeit einer Kugel, Ausschluss eines Spielers aus der Partie und Disqualifikation einer Mannschaft. Bei schweren Verstößen sind auch weitergehende Konsequenzen möglich.

Das Regelwerk enthält darüber hinaus Bestimmungen zu verspäteten Mannschaften, Spielerauswechslungen, schlechtem Wetter, unsportlichem Verhalten, Kleidung und den Aufgaben der Schiedsrichter.

Pétanque ist einfach, aber mit Regeln

Die Grundidee ist unkompliziert: Die eigene Kugel muss näher an die Zielkugel als die des Gegners. Wer nur gelegentlich mit Freunden spielt, braucht dafür kein Regelstudium.

Im Turnier entscheidet jedoch häufig nicht nur die Technik, sondern auch die genaue Kenntnis des Reglements. Darf eine Kugel erneut gespielt werden? Ist die Zielkugel noch gültig? Wer muss als Nächstes werfen? Wann darf aufgeräumt werden? Und wer entscheidet bei einer strittigen Messung?

Wer diese Regeln kennt, vermeidet Diskussionen und kann sich auf das konzentrieren, worauf es beim Pétanque ankommt: Präzision, Taktik und Freude am Spiel.

%d Bloggern gefällt das: